Da sein zur rechten Zeit
Landtag startet mit Enquetekommission Offensive gegen Jugendgewalt
Als in Siegburg vor zwei Jahren ein junger Gefangener im Jugendgefängnis in Siegburg von seinen Mithäftlingen ermordet wurde kam der Staat zu spät. In jeglicher Hinsicht. In der von der grünen Fraktion initiierten Enquetekommission ist der Landtag nun dabei, nachhaltige Lehren aus diesem tragischen Vorfall zu ziehen. Fraktionsübergreifend und mit Hilfe der Wissenschaft.
Am 13. November findet im Landtag NRW eine Veranstaltung zum Thema statt. Infos gibt es hier.
Der Foltermord in Siegburg hatte 2006 über die Landesgrenzen hinweg Entsetzen und Empörung ausgelöst. Die Tatsache, dass ein junger Mensch in der Obhut des Staates gequält und schließlich in einer Zelle eines staatlichen Jugendgefängnisses ums Leben gekommen war, offenbarte nicht nur ein gravierendes Rechtsstaatsproblem sondern erinnerte die LandespolitikerInnen drastisch an ihre Verantwortung für eine Gruppe, die keine Lobby hat: jugendliche Straftäter.
Die Auseinandersetzung des einberufenen Untersuchungsausschusses zum Foltermord offenbarte, dass der nordrhein-westfälische Jugendstrafvollzug mit Rückfallquoten von bis zu 80 Prozent nicht nur ineffizient ist, sondern hinsichtlich der angestrebten Erziehung und Resozialisierung delinquenter Jugendlicher sogar kontraproduktive Züge aufweist. Zudem wurde deutlich, dass der Staat in vielen Fällen viel zu spät in die Entwicklung gefährdeter Kinder und Jugendliche eingreift. Außerdem findet eine Vernetzung bestehender Präventionsangebot immer noch zu wenig statt. Verhaltensauffällige Jugendliche haben so kaum eine Chance von den staatlichen Hilfsmaßnahmen nachhaltig zu profitieren. Und so werden sie der Gesellschaft immer wieder auffällig gegenübertreten.
Auf Drängen der Grünen wurde schließlich die Enquetekommission "zur Erarbeitung von Vorschlägen für eine nachhaltige Präventionspolitik in NRW" eingerichtet. Politiker aus allen Parteien und Wissenschaftler arbeiten hier gemeinsam an Lösungen zu den Fragen, wie es gelingen kann, Kinder und Jugendliche auf ihrem Weg in die Gesellschaft durch ein frühzeitiges Hilfsangebot ausreichend zu unterstützen. Und, wie können bestehende Hilfsstrukturen besser miteinander verflochten und aufeinander abgestimmt werden, damit nachhaltig Wirkung entfaltet werden kann? Thematisch berührt die Enquetekommission damit grundlegende Fragen unserer Gesellschaft, da es letztlich um das Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen innerhalb unserer Gesellschaft geht und damit grundlegende Weichenstellungen unseres Zusammenlebens behandelt werden.
Die Enquetekommission tagt noch bis zum Ende der Legislaturperiode. Falls Ihr Lust habt Euch näher mit dem Thema zu beschäftigen, steht Euch Ewald gerne zur Verfügung und ist für Anregungen dankbar (Tel.: 0211-884-2646, Ewald.Groth(at)landtag.nrw.de). Er ist derzeit zudem mit einem Vortrag in ganz NRW unterwegs und freut sich über Einladungen zu Diskussionen vor Ort oder bei Veranstaltungen zum Thema.





